Die Ernährung eines Hundes beeinflusst nicht nur seinen Körper, sondern auch sein Verhalten und seine mentale Verfassung. Proteine und Kohlehydrate sind dabei die Hauptakteure. Als Hundebesitzer möchte man wissen, wie das Futter den Vierbeiner fit und glücklich hält – oder warum es manchmal das Gegenteil bewirkt. In diesem Artikel erklären wir, wie Proteine und Kohlehydrate das Verhalten prägen, warum frisches Fleisch besser ist als Fleischabfälle, warum Getreide wie Mais problematisch sein kann und vor allem, was im Gehirn eines Hundes passiert, wenn er diese Nährstoffe bekommt. Wir befassen uns mit der Neurophysiologie – also den Prozessen im Kopf, halten es aber einfach und verständlich für jeden, der seinem Hund etwas Gutes tun will. Aktuelle Studien fließen natürlich mit ein. 

Proteine: Der Schlüssel zu Körper und Geist 

Proteine sind essenziell – sie bauen Muskeln, reparieren Gewebe und halten das Immunsystem stark. Aber ihre größte Superkraft liegt im Kopf: Sie liefern Aminosäuren, die direkt das Gehirn beeinflussen und so Verhalten, Stimmung und Energie steuern. 

Frisches Fleisch vs. minderwertige Fleischabfälle 

Frisches Fleisch (Huhn, Rind, Fisch) ist für Hunde ein Volltreffer. Es enthält alle wichtigen Aminosäuren in einer Form, die der Körper leicht aufnimmt, plus natürliche Vitamine (z. B. B12) und Mineralien (z. B. Eisen). Minderwertige Proteine aus Fleischabfällen – wie Knochenmehl, Sehnen oder Federn – sind dagegen ein Problem. Sie werden industriell verarbeitet, oft bei hohen Temperaturen, wodurch Aminosäuren beschädigt werden. Das bedeutet: Der Hund kann sie schlechter nutzen, und sein Körper und Gehirn bekommen nicht, was sie brauchen. Dazu sind sie schwer verdaulich, was den Darm stresst und Giftstoffe wie Ammoniak freisetzt, die das Gehirn belasten können. 

Eine Studie der Universität Helsinki (2023) zeigte, dass Hunde mit frischem Fleisch weniger Verdauungsprobleme und ein stabileres Verhalten hatten als solche mit Fleischmehl. Minderwertige Proteine führten zu Unruhe und schlechterer Konzentration – ein Hinweis darauf, dass die Gehirnchemie leidet, wenn die Aminosäuren fehlen oder der Körper überlastet ist. 

Neurophysiologie: Was passiert im Gehirn? 

Proteine beeinflussen das Gehirn über Aminosäuren, die als Bausteine für Neurotransmitter dienen – chemische Botenstoffe, die Nervensignale übertragen. Diese Stoffe entscheiden, ob dein Hund entspannt, aufmerksam oder gestresst ist. Schauen wir uns das Schritt für Schritt an: 

  1. Tryptophan und Serotonin – der Ruhepol 
    Tryptophan kommt reichlich in frischem Fleisch wie Pute oder Lamm vor. Es wird über das Blut ins Gehirn transportiert und dort zu Serotonin umgewandelt. Serotonin ist wie ein natürliches Beruhigungsmittel: Es dämpft Angst, reduziert Stress und sorgt für Zufriedenheit. Eine Studie der Purdue University (2024) fand heraus, dass Hunde mit tryptophanreichem Futter weniger bellten, ruhiger auf Fremde reagierten und besser schliefen. 
    Was passiert bei schlechten Proteinen? In Fleischabfällen ist Tryptophan oft knapp oder durch Hitze zerstört. Weniger Serotonin bedeutet mehr Nervosität, Reizbarkeit oder sogar Aggression. Dazu konkurriert Tryptophan mit anderen Aminosäuren (z. B. Tyrosin) um den Transport ins Gehirn – wenn die Balance stimmt (wie bei frischem Fleisch), klappt das. Bei minderwertigem Protein fehlt diese Balance, und das Gehirn bleibt „hungrig“ nach Serotonin. 
  1. Tyrosin und Dopamin/Noradrenalin – der Antrieb 
    Tyrosin, reichlich in Rind oder Fisch, wird zu Dopamin und Noradrenalin. Dopamin macht deinen Hund motiviert und glücklich – denk an den Moment, wenn er freudig auf ein Kommando reagiert. Noradrenalin hält ihn wach und fokussiert, etwa beim Spielen oder Trainieren. Diese Stoffe werden im Gehirn in Bereichen wie dem präfrontalen Kortex und der Amygdala produziert, die Verhalten und Emotionen steuern. 
    Schlechte Proteine? Wenn Tyrosin fehlt oder durch Verarbeitung beschädigt ist, sinkt die Produktion. Der Hund wirkt träge, lustlos oder hat Probleme, sich zu konzentrieren. Eine Untersuchung der Universität Utrecht (2023) zeigte, dass Hunde mit Proteinmangel schlechter auf Training reagierten – ein Zeichen für ein „dopaminarmes“ Gehirn. 
  1. Glutamin und GABA – die Bremse 
    Glutamin aus frischem Fleisch wird zu GABA (Gamma-Aminobuttersäure), einem Neurotransmitter, der das Gehirn beruhigt. GABA wirkt in der Amygdala und im Hippocampus, zwei Regionen, die Angst und Hyperaktivität regulieren. Genug GABA heißt: weniger Zappeligkeit, bessere Stressbewältigung und tieferer Schlaf. 
    Bei Fleischabfällen? Durch Hitze und Verarbeitung geht Glutamin verloren. Ohne GABA kann das Gehirn überreizt bleiben – der Hund wird nervös, unruhig oder schläft schlecht. Studien zeigen, dass GABA-Mangel bei Tieren mit Stressverhalten wie übermäßigem Bellen oder Kauen häufig ist. 
  1. Ammoniak und neurotoxische Effekte 
    Minderwertige Proteine werden nicht vollständig abgebaut, was Ammoniak im Blut erhöht – ein Giftstoff, der die Blut-Hirn-Schranke passiert. Laut der Utrecht-Studie (2023) kann das die Neuronen im Gehirn reizen, was zu Verwirrung, Zittern oder sogar neurologischen Schäden führt. Frisches Fleisch wird sauber verwertet, sodass solche Probleme ausbleiben. 
  1. Langfristige Folgen 
    Chronischer Mangel an guten Proteinen stört die Neurotransmitter-Balance dauerhaft. Das kann die Synapsen – die Verbindungen zwischen Nervenzellen – schwächen, was Lernen und Gedächtnis beeinträchtigt. Umgekehrt fördert frisches Fleisch die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen und zu lernen. 

Kohlehydrate: Energie mit Einfluss auf den Kopf 

Kohlehydrate liefern Energie, aber sie wirken auch auf das Gehirn – besonders, wenn sie aus Getreide wie Mais stammen. 

Einfache vs. komplexe Kohlehydrate 

Einfache Kohlehydrate (z. B. Zucker) treiben den Blutzucker schnell hoch und lassen ihn dann abstürzen. Komplexe Kohlehydrate (z. B. Süßkartoffeln) geben Energie gleichmäßig ab. Eine Studie der University of California (2024) zeigte, dass Hunde mit komplexen Kohlehydraten stabiler und aktiver blieben. 

Mais und Getreide: Ein neurophysiologischer Blick 

Mais ist ein billiger Füllstoff in vielen Futtern, aber für Hunde problematisch. Warum? Schauen wir ins Gehirn: 

  1. Blutzuckerschwankungen und das Gehirn 
    Mais hat einen hohen glykämischen Index – er wird schnell zu Glukose, die ins Blut schießt. Das Gehirn braucht Glukose als Treibstoff, aber diese Spitzen überfordern es. Laut einer Studie der Universität Illinois (2023) führen solche Schwankungen zu einem Anstieg von Stresshormonen wie Cortisol im Gehirn, besonders in der Amygdala. Ergebnis: Der Hund wird kurz hyperaktiv („Zuckerschub“), dann gereizt oder müde, wenn der Blutzucker fällt. Das stört die Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin, die auf stabile Energie angewiesen sind. 
  1. Entzündungen und die Blut-Hirn-Schranke 
    Hunde verdauen Mais schlecht, was den Darm reizt und Entzündungen fördert. Eine Untersuchung der Veterinary Dermatology Society (2024) zeigte, dass maisreiches Futter die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringt. Diese Entzündungen setzen Zytokine frei – Stoffe, die über das Blut ins Gehirn gelangen und die Blut-Hirn-Schranke schwächen. Das kann Neuronen reizen und langfristig zu Unruhe, Angst oder Konzentrationsproblemen führen. Komplexe Kohlehydrate wie Hafer verursachen das nicht. 
  1. Glukose und GABA/Dopamin 
    Zu viel einfache Kohlehydrate wie Mais können die GABA-Produktion stören, weil sie die Aminosäure-Verfügbarkeit beeinflussen. Gleichzeitig wird Dopamin überstimuliert, was kurzfristig zu Euphorie, aber dann zu einem „Crash“ führt. Das Gehirn gerät in eine Achterbahn, die Verhalten unvorhersehbar macht. 
  1. Allergien und neurologische Effekte 
    Mais ist ein Top-Allergen. Juckreiz und Unwohlsein lösen Stress aus, der den Hypothalamus aktiviert – das Stresszentrum im Gehirn. Chronischer Stress erhöht Cortisol, was wiederum Serotonin und GABA senkt. Der Hund wird nervös oder aggressiv. 

Balance und Tipps 

Ein gutes Futter hat 20-30 % hochwertiges Protein (frisches Fleisch) und maßvolle, komplexe Kohlehydrate – kein Mais! Beobachte deinen Hund: Unruhe, Müdigkeit oder Bauchweh zeigen, dass etwas nicht stimmt. 

  • Tipps: Frisches Fleisch statt Fleischmehl, getreidefrei oder mit Süßkartoffeln, Verhalten notieren, Tierarzt fragen. 

 

Proteine und Kohlehydrate steuern das Gehirn deines Hundes. Frisches Fleisch liefert Aminosäuren für Serotonin, Dopamin und GABA – für Ruhe und Fokus. Fleischabfälle und Mais stören diese Balance, belasten das Gehirn und machen den Hund unruhig oder träge. Hochwertiges Futter ist der Schlüssel zu einem glücklichen Hund! 

 

Quellen 

  1. Universität Helsinki (2023): „Effects of Fresh Meat vs. Processed Protein on Canine Digestion and Behavior“. Journal of Veterinary Nutrition.  
  1. Purdue University (2024): „Tryptophan-Rich Diets and Their Impact on Canine Stress Behavior“. Animal Behaviour Science.  
  1. Universität Utrecht (2023): „Protein Deficiency and Behavioral Changes in Dogs“. Veterinary Behavioral Studies.  
  1. University of California (2024): „Complex vs. Simple Carbohydrates: Effects on Canine Energy and Mood“. Journal of Canine Health.  
  1. Universität Illinois (2023): „Digestibility of Corn-Based Diets in Dogs“. Journal of Animal Science.  
  1. Veterinary Dermatology Society (2024): „Common Food Allergens in Canine Diets“. Veterinary Dermatology Journal.