B.A.R.F.

Vier Buchstaben, viele Meinungen

Nicht nur die Bedeutung der Buchstaben ist umstritten. Worauf die einen schwören, wird von anderen verteufelt. Lesen Sie, worauf es beim BARF ankommt.

B.A.R.F. – Was ist das eigentlich?

BARF, oder auch Barf ist eine Art der Ernährung von fleischfressenden Haustieren. In erster Linie werden Hunde und Katzen nach dieser Methode ernährt, aber auch Frettchen, Tiere, die sich im Grundlegenden an die Fressgewohnheiten von Wölfen, Großkatzen, wilden Hunden und Wildkatzen orientieren, weswegen man ausschließlich rohes Fleisch verfüttert, unter anderem auch die Organe und Knochen und dazu noch rohes oder gegartes Gemüse. Der Tierhalter muss dabei selbst auf die richtige Zusammensetzung und entsprechende Ausgewogenheit achten. Einige kommerzielle Futterhersteller bieten mittlerweile jedoch auch fertige Barf-Mischungen an. Diese versprechen, bereits eine ausgewogene Mischung zu enthalten.

Woher kommen die vier Buchstaben BARF?Woher kommen die ominösen 4 Buchstaben?

Die Herkunft und Geschichte des Barfens ist umstritten. Der Begriff soll zum ersten Mal von Debbie Tripp aus den USA verwendet worden sein, jedoch hat sich das Akronym Barf im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Am Anfang stand „B.A.R.F.“ noch für „Born-Again Raw Feeders“, (wiedergeborene Rohfütterer) wobei es heute immer wieder für „Bones And Raw Foods“ (Knochen und rohe Nahrung) steht. Die deutsche Übersetzung des Barf-Akronyms bedeutet „Biologisches artgerechtes rohes Futter“. In Deutschland ist eine der Hauptbestreiterinnen des barfens und der Aufklärung über die Rohfütterung Swanie Simon. Mittlerweile gibt es noch viele weitere, die Aufklärung in diesem Bereich betreiben.
Namensgebung hin oder her, die Methode des Barfens ist bis heute umstritten und muss sich immer wieder starker Kritik unterziehen. Mangelerscheinungen, Magen/Darm Probleme wie Verstopfung und Durchfall, sowie Zahnfrakturen, Fremdkörpererkrankungen und die Übertragung verschiedenster Krankheiten, wie Pseudowut, Toxoplasmose und Zoonosen können bei falscher Handhabung vorkommen. Pseudowut, Neoporose und Toxoplasmose beispielsweise sind typische Erkrankungen des Tieres, wobei Salmonellose oder E. coli Infektionen gefährlich für den Halter werden können und nicht für das Tier, da die Tiere diese Bakterien über den Kot ausscheiden, sich jedoch selbst nicht damit infizieren können.

Natürliche Ernährungwolf beim fressen natürliche Nahrung

Man sollte sich beim barfen auch immer vor Augen halten, dass die Rohfütterung die wir als Tierhalter betreiben, nicht 100 % dieselbe ist, die Wölfe in der Natur zu sich nehmen. Wölfe nehmen nämlich Rohfasern nicht in Form von reinen Pflanzen auf, sondern fressen den Mageninhalt ihrer Beute mit auf, welcher hauptsächlich aus Kräutern und Beeren besteht und schon vorverdaut ist. Der von den meisten Hunden geliebte Pansen dagegen wird vom Wolf in der Regel nicht angerührt.
Besondere Kritik wird bei der Nährstoffrationierung geübt. Die Dosierung der Nährstoffe ist mitunter das komplizierteste des Barfens, besonders Junghunde und Senioren sind empfindlich gegenüber Nährstoffmangel und auch der Überversorgung dessen. Für diejenigen, die sich beim barfen unsicher sind, gibt es kombinierte Methoden. Dabei mischt man das Fleisch mit professionell, industriell hergestellten Flocken, die den Verdauungsprozess des Beutetieres des Wolfes imitieren. Auch gibt es mittlerweile unzählige Supplemente auf dem Tiermarkt.

BARF vs. FertigfutterBARF vs. Fertigfutter

Nach all den Kritiken, möglichen Krankheiten und Mangelerscheinungen stellt man sich die Frage, warum überhaupt BARF? Kurze Antwort: weil Fertigfutter bei Weitem nicht immer gesünder ist. Besonders in den letzten Jahren fragten viele Tierhalter nach den Inhaltsstoffen des Hundefutters ihres Lieblings, da vermehrt Allergien und Krankheiten, besonders im Haut- und Fellbereich, sowie dem Verdauungssystem auftraten. Der Gedanke, dass dies mit dem industriell gefertigten Futter zusammenhängen könnte, kam schnell. Wer kennt nicht die Geschichten unserer Großeltern, deren Hunde die Reste vom Tisch bekamen und anscheinend ewig lebten und dabei gesund und munter waren? Dass dies alles am Fertigfutter liegt, klingt in diesem Zusammenhang nur logisch. Insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass das meiste industriell hergestellte Fertigfutter erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt wurde, wobei man aufgrund der Nahrungsknappheit überwiegend Reste verwendete, die sonst in dem Müll gewandert wären. Diese Tatsache hat sich bei manchen Produkten bis heute nicht geändert.

GetreideGetreide

Auch gibt es noch immer Produkte, die aus 80 % Getreide bestehen, weil Getreide nun einmal billiger als Fleisch und somit ein günstiger Füllstoff ist, der den Firmen maximalen Gewinn verspricht. Doch verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch. Es gibt auch Fertigfutter, bei dem auf Getreide als Füllmittel verzichtet wird. Alles ist wie immer abhängig vom Hersteller. Auch ist Getreide per se kein Weltuntergang, wie manche Hundebesitzer behaupten. Auch im Mageninhalt der Wolfsbeute können Spuren von Getreide vorhanden sein, die Beutetiere fressen nun einmal das, was da ist. Man darf auch nicht vergessen, dass unser Haushund ein vor 15000 Jahren domestizierter Wolf ist, der von den Resten der Jäger lebte, zu denen bestimmt auch Urzeit Brot gehörte. Hunde, die nicht ernährungsempfindlich oder gar allergisch reagieren, können auch im Barf-Futter mit Getreide ernährt werden, wobei genau genommen die meisten Tiere auf Gluten reagieren und glutenfreies Getreide in der Regel vertragen. Starke Allergiker sollten jedoch auch nicht mit Pansen ernährt werden, da auch Pansen hohe Getreidespuren enthält, außer man hat das Glück, Pansen vom Weiderind zu bekommen. Mein persönliches Lieblingsbeispiel dafür, dass vereinzelte Getreidespuren nicht der von manch einem prophezeite Weltuntergang ist, ist einer meiner Hunde. Mein Spanier, der vermutlich in der Perrera nur trockenes Brot zu fressen bekam, findet nichts besser, als genau dieses und würde alles für Brot tun. All dieses Getreide beeinträchtigte meinen Hund nicht im Geringsten und der ist quietschfidel. Ich möchte damit sagen, dass Getreide natürlich nicht die gesündeste Ernährung für Ihren Hund ist, er wird aber bei vereinzelter Getreidezufuhr nicht an einem spontanen Herzinfarkt sterben. Verheerender ist dabei natürlich das Ausmaß von bis zu 80 % Getreide und das täglich über mehrere Generationen hinweg. So entstehen am Ende die berüchtigten Futtermittelallergien. Das ist dann auch der besondere Vorteil des barfens.

ernaehrungsberaterWarum BARF?

Wer barft weiß immer genauestens, was im Napf landet und kann das Futter bis ins kleinste Detail auf die Bedürfnisse seines Lieblings abstimmen. Keine Abfallprodukte, Geschmacksverstärker oder sonstige Chemie. Auch kann man durch bestimmte Ernährungsformen auf Krankheiten eingehen und über Ernährungspläne und Kuren teilweise sogar Medikamente vermeiden. Dafür sollten jedoch professionelle Ernährungsberater zurate gezogen werden. Insbesondere dann, wenn man sich unsicher ist, sollten diese konsultiert werden.